Auktionskosten bei Kunstauktion

Nach dem Corona Shutdown fanden am Mittwoch den 10. Juni 2020 beim Kölner Auktionshaus Van Ham gleich vier Kunstauktionen statt, die einige spannende Entwicklungen und Überraschungen boten. Mit einer Kombination aus klassischer Moderne, zeitgenössischer Kunst aber auch Tribal Art kamen im Rahmen der „Modern Week“ insgesamt 403 Lots zur Versteigerung. Die Versteigerung selbst fand nicht nur im Saal, sondern gleichzeitig auch auf mehreren internationalen Online-Plattformen statt. Wir haben das Auktionsgeschehen mitverfolgt und möchten hiermit auf einige der wichtigsten Kennzahlen und Höhepunkte eingehen.

Kennzahlen der Auktion

  • Anzahl versteigerte Lots: 403
  • Gesamtvolumen der mittleren Schätzwerte: rd. €7,0 Mio.
  • Verkaufte Lots: 317 (78,7%)
  • Nicht verkauft Lots: 86 (21,3%)
  • Lots die oberhalb ihrer Schätzung zugeschlagen wurden: 120 (29,8%)
  • Lots die nicht oder unterhalb ihrer Schätzung zugeschlagen wurden: 150 (37,2%)
  • Gesamtvolumen der Zuschlagspreise: rd. €5,3 Mio.
  • Durchschnittlicher Zuschlagspreis der verkauften Lots: rd. €16.600

403 Lots in vier Auktionen

  • Modern: 70
  • Prof. Dr. Christian Eggers: 117
  • Post-War: 119
  • Contemporary: 97

Mit 117 Lots am stärksten vertreten war an diesem Tage die Sammlung von Prof. Dr. Christian Eggers (1938 – 2020), die der ambitionierte Sammler und ehemalige Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychatrie der Universitätsklinik Essen im Laufe seines Lebens zusammenstellte. Neben Arbeiten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, u.a. von Christian Rohlfs und Werner Scholz, umfasste die Sammlung Arbeiten der Nachkriegszeit sowie Masken und Skulpturen aus außereuropäischen, insb. afrikanischen Kulturen. Neben der Sammlung Eggers lag der Schwerpunkt des Auktionstages bei Van Ham insbesondere auf der Sparte Post-War, die mit 119 Lots vertreten war. Mit lediglich 70 Objekten stellte die Moderne an diesem Tage die Sparte mit den wenigsten Lots. Zu den Highlights des Auktionstages zählten u.a. ein Gemälde von Hans Arp (Lot 1) sowie einer monumentalen Arbeit von Imi Knoebel (Lot 301). Doch auch Werke von Günther Uecker, Fritz Winter, Luc Tuymans, Günther Förg und Sol LeWitt kamen im Rahmen dieser Mittwochsauktion zur Versteigerung.

Die Highlights des Auktionstages

(Werke mit den höchsten Schätzpreisen)

  • Lot 1 (Modern)
    Hans Arp, „Fronde et nombrils“, 1926
    Öl auf Karton, ausgeschnitten, 62 x 50cm
    Schätzpreis €300.000 – €500.000
    Ergebnis: nicht verkauf
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  • Lot 301 (Post-War)
    Imi Knoebel, „Lilola“, 2002
    Acryl auf Aluminium, 304 x 456 x 11cm
    Schätzpreis €300.000 – €500.000
    Ergebnis: nicht verkauft
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  • Lot 352 (Post-War)
    Günter Uecker, Weiß-Weiß (Schlag ich einen Nagel in die Wand kommt er mir hinterrücks entgegen), 1968
    Eingeschlagene Nägel, Draht und Farbe auf Holz, 37 x 37 x 7cm
    Schätzpreis €120.000 – €180.000
    Ergebnis: nicht verkauft
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  • Lot 361 (Post-War)
    Fritz Winter„Entfaltung I“, 1944
    Öl auf Papier, auf Karton kaschiert, 49 x 40cm
    Schätzpreis €150.000 – €200.000
    Ergebnis: €175.000
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  • Lot 491 (Contemporary)
    Luc Tuymans, „Insomnia“, 1988
    Öl auf Leinwand, 44 x 53cm
    Schätzpreis €120.000 – €180.000
    Ergebnis: €115.000
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Es sollte ein spannender Auktionstag mit einigen Überraschungen werden. Die erste folgte gleich zu Beginn, als das Eröffnungs-Lot des Auktionstages, welches auch die Titelseite des Kataloges zierte, keinen Zuschlag erhielt. So fand sich für das auf €300.000 bis €500.000 geschätzten Gemälde von Hans Arp kein Interessent, der bereit war, ein ausreichendes Gebot abzugeben. ´

Für eine positive Überraschung hingegen sorgte Lot Nr. 70, das letzte Lot der Auktion für Moderne Kunst an diesem Tag. Vor der Auktion befand sich das Gemälde „Mädchen am Fenster“ von Georg Schrimpf über 70 Jahr in Privatbesitz und gelangte nun Marktfrisch in die Auktion. Der Schätzpreis für das Ölgemälde aus dem Jahr 1935 wurde mit €50.000 – €70.000 angegeben. Zwei Bieter lieferten sich gegen Ende ein spannendes Duell und überboten einander immer wieder. Zugeschlagen wurde das Gemälde zum Preis von €195.000, womit es gleichzeitig den Verkaufsrekord an diesem Auktionstage bei Van Ham markierte. Inklusive Aufgeld zahlt der erfolgreiche Bieter über €250.000. Wie im Nachgang der Auktion zu erfahren war, ging das Werk an eine hessische Privatsammlung.

Top Verkäufe je Auktion

(Werke mit den höchsten Zuschlagspreisen)

  • Lot 70 (Modern)
    Georg Schrimpf, „Mädchen am Fenster“, 1935
    Öl auf Leinwand, 70,2 x 52,5cm
    Schätzpreis €50.000 – €70.000
    Ergebnis: €195.000
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  • Lot 142 (Prof. Dr. Christian Eggers Collection)
    Mimmo Paladino, „La balena immalata“, 1981
    Öl und Mischtechnik auf Leinwand, 200 x 100cm
    Schätzpreis €80.000 – €120.000
    Ergebnis: €80.000
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  • Lot 361 (Post-War)
    Fritz Winter, „Entfaltung I“, 1944
    Öl auf Papier, auf Karton kaschiert, 49 x 40cm
    Schätzpreis €150.000 – €200.000
    Ergebnis: €170.000
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  • Lot 491 (Contemporary)
    Luc Tuymans, „Insomnia“, 1988
    Öl auf Leinwand, 44 x 53cm
    Schätzpreis €120.000 – €180.000
    Ergebnis: €115.000
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Stark gefragt waren an diesem Abend auch die Arbeiten von Fritz Winter. Im Rahmen der Post-War Auktion kamen mit gleich fünf seiner Werke unter den Hammer (Lots 361 bis 365), von denen vier aus dem 1944 geschaffenen Zyklus „Triebkräfte der Erde“ stammten. Sämtliche fünf Arbeiten von Winter wurden an diesem Tage erfolgreich versteigert, wobei die Ergebnisse für drei der fünf Werke ihren oberen Schätzwert sogar leicht übertrafen. Mit €170.000 erhielt „Entfaltung I“ (Lot 361) den höchsten Zuschlag und markierte gleichzeitig den Spitzenwert im Rahmen dieser Post-War Auktion.

Auch bei der Contemporary Auktion gab es einige spannende Ergebnisse. Einen regelrechten Ansturm verzeichneten die Bilder des Amerikaners Tom Blackwell, dessen hyperrealistische Arbeiten als Lots 410 bis 413 vergleichsweise früh in der Auktion aufgerufen wurden. Während die Differenz zwischen oberem Schätzpreis und Höchstgebot bei „Martina‘s Porsche“ (Lot 410) bei lediglich 50% lag, übertraf das Höchstgebot für „D&G, West Broadway, Soho” (Lot 411) dessen obere Taxe um mehr als das Doppelte. Überboten wurde diese Entwicklung sogar noch „Coach Store, Soho“ (Lot 413), einem kleinformatigen Gemälde, dessen Schätzung bei lediglich €3.000 – €5.000 angesetzt war, welches jedoch für €48.000 an den erfolgreichen Höchstbieter verkauft wurde. Der Hammerpreis überstieg damit die obere Schätzung knapp um das Neunfache.

Insgesamt wurden im Rahmen des Auktionstages 120 Werke erfolgreich, oberhalb ihres Schätzpreises verkauft, was einer Quote von 29,8% entspricht. Spitzenreiter unter den Einzelauktionen ist hierbei der Verkauf der Sammlung Prof. Dr. Christian Eggers, bei der 45 Werke ihre Schätzung übertrafen. Mit einem durchschnittlichen Hammerpreis von €7.400 je Lot war dies jedoch auch die Auktion mit den deutlich günstigsten Objekten an diesem Tag.

Weitere Ergebnisse

120 über dem Schätzpreis verkaufte Lots

  • Modern: 25 (35,7%)
  • Prof. Dr. Christian Eggers Collection: 45 (38,5%)
  • Post-War: 28 (23,5%)
  • Contemporary: 22 (22,7%)

€16.600 Durchschnittlicher Verkaufspreise für die versteigerten Lots

  • Modern: €20.700
  • Prof. Dr. Christian Eggers Collection: €7.400
  • Post-War: €25.000
  • Contemporary: €14.800

Neben diesen Erfolgen ist jedoch auch die Anzahl an Objekten interessant, die im Rahmen der Auktion keinen Zuschlag erhielten oder unterhalb ihres Schätzwertes verkauft wurden. Über alle vier Auktionen hinweg betraf dies 150 der 403 Lots und damit 37,2% der versteigerten Objekte. Beim Vergleich der Einzelauktionen zeigt sich, dass diese Misserfolgsquote bei der Contemporary Auktion am höchsten ausfiel. 42 der 97 Lots (43,3%) fielen hier durch, oder wurden nur unterhalb des Schätzpreises zugeschlagen. Bei der Klassischen Moderne lag diese Quote noch immer bei 25,7% und betraf damit rund jedes vierte Werk.

150 durchgefallene oder unter dem Schätzpreis verkaufte Lots

  • Modern: 18 (25,7%)
  • Prof. Dr. Christian Eggers Collection: 45 (38,5%)
  • Post-War: 45 (37,8%)
  • Contemporary: 42 (43,3%)

Fazit

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass dieser Mittwoch im Juni ein spannender Tag für die Teilnehmer der „Modern Week“ bei Van Ham war. Von den 403 versteigerten Lots erhielten 317 erfolgreich einen Zuschlag und fanden damit einen neuen Käufer. Die Summe der Zuschläge betrug über alle vier Auktionen rd. 5,3 Mio. Euro.

Interessant ist, dass sich für drei der fünf der wichtigsten Werke des Tages kein Bieter fand und ein weiteres Lot nur unterhalb seines Schätzpreises verkauft wurde. Lediglich die Arbeit von Fritz Winter konnte, mit einem Hammerpreis von €175.000, ein Ergebnis entsprechend der Erwartungen erzielen.

Erweitert man dieses Spektrum ein wenig, so ändert sich das Bild kaum und fanden noch immer acht der 20 Top-Werke kein Käufer. Dies entspricht einer Durchfallquote von 40%, womit sich einmal mehr bestätigt, dass Sammler gerade im gehobenen Segment mit dem Kauf zögern und deutlich selektiver vorgehen, als noch im vorangegangenen Jahr.

Während die klassische Moderne von jeher eher zu den Sparten zählt, die weniger krisenanfällig sind, so zeigt sich, dass aktuell insbesondere die Sparten Post-War und Contemporary stärker unter Druck stehen. Lediglich im unteren Preissemgent sind spartenübergreifend derzeit niedrige Durchfallquoten zu verzeichnen, womit sich das Bild bestätigt, dass mit der Krise Qualität und Preis wieder deutlich an Bedeutung gewonnen haben und viele der Kunstsammler in ihrer Entscheidungen beeinflussen.

Anmerkungen

Die Analyse wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und beruht auf den uns zum Zeitpunkt der Erstellung zur Verfügung stehenden Daten. Bei den angegebenen Preisen beziehen wir uns auf die Schätz- und Zuschlagspreise, da sich diese am besten für Vergleiche eignen. Allgemeine Informationen zur Zusammensetzung von Auktionskosten finden Sie hier. Für Rückfragen und Anmerkungen stehen wir gern zur Verfügung.

Titelbild: Philip Scalia / Alamy Stock Foto

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