„Heute kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert.“ Oscar Wilde

Kunst hat zwar weder Funktion noch Notwendigkeit, dafür jedoch verfügt sie über einen ideellen Wert. Kunst weitet den Blick, bietet Innovation und Provokation, sie stellt Gewohntes in Frage und regt zum Diskurs an. Bestenfalls bestimmt dieser ideelle Wert den Preis, nie jedoch umgekehrt. Dennoch lautet eine häufig im Kunstbereich gestellte Frage, was den monetären Wert von Kunstwerken ausmacht. Warum kostet das eine Gemälde 1.000 Euro, während ein anderes für 10 Millionen Euro den Besitzer wechselt? Die Gründe hierfür sind vielfältig. Es gibt zahlreiche Faktoren, die den Marktwert von Kunst, egal ob Gemälde, Zeichnung oder Skulptur, beeinflussen. In diesem Beitrag stellen wir zehn der wichtigsten Faktoren näher vor.

1. Künstler

Der mit Abstand wichtigste Faktor, der den Wert eines Kunstwerkes beeinflusst, ist der Name des Künstlers. Viele Sammler sind geneigt, Werke bekannter Künstlerinnen und Künstler zu kaufen, geben bekannte Namen doch ein gewisses Maß an Orientierung und Sicherheit. Namen Mark Rothko, Marina Abramović oder Jeppe Hein stehen zudem für Exklusivität sowie die Zugehörigkeit zu einem Kreis ausgewählter Kenner, für die bestimmte Sammler bereit sind, einen höheren Preis zu zahlen.

Wie der Blick in die Geschichte zeigt, bleiben oft nur wenige Namen einer Epoche im kollektiven Gedächtnis erhalten. Wird der Künstler regelmäßig ausgestellt, ist häufig im öffentlichen Kunstdiskurs zu finden und findet so im Laufe der Zeit Einzug in den Kunstkanon, wirkt sich dies in der Regel positiv auf die Nachfrage nach seinen Werken und damit den zu erzielenden Marktpreis aus.

Im zeitgenössischen Bereich erzielen heut insb. diejenigen Künstler hohe Preise, die es schaffen, eine eigene Marke für sich zu schaffen, Bekanntheit zu erlangen, die erfolgreich Kunstpreise gewinnen und deren Werke in den Top-Galerien und Museen vertreten sind.

2. Technik und Format

Technik und Format beeinflussen ebenso den Marktwert eines Kunstwerkes. Gemälde sind meist teurer als Arbeiten auf Papier, Druckgrafiken i.d.R. günstiger als einzigartige Zeichnungen oder Aquarelle.

Gemälde von Vincent van Gogh, Selbstbildnis mit Stroh-Hut (1887), Metropolitan Museum of Art, Foto: fan yang auf Unsplash

Ein weiterer Faktor, der den Wert eines Kunstwerkes beeinflussen kann, ist dessen Größe. Zwar ist die Erstellung großer Formate häufig mit mehr Aufwand und Material verbunden, die Gleichung „je größer, desto teurer“ stimmt jedoch nicht immer. Der Größenfaktor hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Käufer achten verstärkt auf Qualität und die Wirkung eines Kunstwerkes im Raum, anstatt rein auf dessen Format. Gerade bei zeitgenössischer Kunst geht die Tendenz daher eher zu Werken im Klein- und Mittelformat, die sich auch leichter wieder verkaufen lassen.

3. Motiv, Kontext und Datierung

Ob Kunst gefällt oder nicht, das ist in erster Linie eine Frage des eigenen Zugangs und des persönlichen Geschmackes. Immer wieder kommt es vor, dass Sammler hohe Summen für ein Kunstwerk zahlen, einfach weil sie sich in das Werk verliebt haben und eine emotionale Bindung dazu verspüren.

Generell jedoch verkaufen sich bestimmte Themen und Motive besser als andere. So erzielt ein weiblicher Akt häufig einen höheren Preis und wechselt einfacher den Besitzer, als beispielsweise das Porträt eines älteren Mannes, welches vom selben Künstler stammt.

Entscheidend für dessen Wert ist zudem, wann und in welchem  Zusammenhang ein Kunstwerk entstand. Im Leben vieler Künstler gibt es besondere Schlüsselmomente, wichtige Werkgruppen und Schaffensphasen, in denen sie bspw. ihren Stil verändern und weiterentwickeln. Das führt dazu, dass Werke aus bestimmten Jahren oder zu einzelnen Themen deutlich stärker gefragt sind als das generelle Oeuvre. Der Markt für Arbeiten von George Grosz liefert hierfür ein gutes Beispiel. Während Sammler für dessen sozial- und gesellschaftskritische Arbeiten aus den 1910er und 20er Jahren mitunter hohe sechsstellige Beträge zahlen, wechseln die eher dekorativen und unpolitischen Werke ab Mitte der 1940er Jahre bereits für einige tausend Euro den Besitzer.

4. Wiedererkennbarkeit

Im Oeuvre eines Künstlers gibt es häufig bedeutende und weniger bedeutende Werke. Einerseits ist hier auf die künstlerische Qualität und Ausführung abgezielt, andererseits auf das Vorhandensein typischer Elemente, die der Künstler häufig verwendet. Viele Künstler entwickeln im Laufe ihrer Arbeit eine eigene, unverwechselbare Handschrift, die sie von anderen Künstlern unterscheidet und ihre Arbeiten wiedererkennbar macht. Präsentiert das jeweilige Werk klar den Stil des Künstlers und verfügt über charakteristische Elemente, so wirkt sich dies zumeist wertsteigernd aus.

„Ein ‚guter Basquiat‘ beispielsweise muss aus dem Jahr 1982 oder 1983 stammen und einen Kopf, eine Krone und die Farbe Rot aufweisen. Entscheidend ist nicht die Bedeutung des Kunstwerkes, entscheidend sind seine Alleinstellungsmerkmale und die Fetischierung der frühesten Spuren einer künstlerischen Marke, eines Stils.“ Sarah Thornton

5. Echtheit

Die Echtheit ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Kunstwerks. Das Vorliegen einer Echtheitsbestätigung oder die Eintragung im offiziellen Werkverzeichnis sind jedoch weniger wertsteigende Faktoren,  sie gelten vielmehr als Voraussetzung für die generelle Verkäuflichkeit eines Werkes. Fehlt die entsprechende Bestätigung oder ist das Werk nicht im Werkverzeichnis gelistet, so bleibt es im schlimmsten Fall zur Gänze unverkäuflich und wird von seriösen Händlern und Auktionshäusern im Sekundärmarkt nicht akzeptiert.

6. Verkaufshistorie und Marktfrische

Mit dem Aufkommen der Auktionsdatenbanken seit Mitte der 1980er Jahre, hat sich die Transparenz im Kunstmarkt deutlich erhöht. Befand sich ein Werk lange Zeit in einer Privatsammlung und steht nun vielleicht erstmalig zum Wiederverkauf, wird es also marktfrisch angeboten, so wirkt sich dies meist positiv auf dessen Marktwert aus. Hat das Werk hingegen in den vergangenen Jahren häufig öffentlich den Besitzer gewechselt, kann dies durchaus ein Ausschlusskriterium für Sammler sein und verliert das Bild für sie seinen Reiz. Noch schwerer wiegt jedoch, falls das Kunstwerk erfolglos in einer öffentlichen Auktion angeboten wurde und dabei durchfiel. Entsprechende Arbeiten gelten im Kunstmarkt als „verbrannt“ und verlieren deutlich an Wert. Mehr zum Thema Marktfrische und Wertverlust erfahren Sie hier.

7. Provenienz und Ausstellungshistorie

Die Provenienz gilt als einer der wenigen Faktoren, die den Wert eines Kunstwerkes deutlich steigern oder senken können. Befand sich das Kunstwerk beispielsweise einst in der bekannten Sammlung, wirkt sich dies häufig positiv auf dessen Bewertung aus. Provenienzen wie z.B. David Rockefeller Dr. Paul Gachet, Serge Sabarsky oder Hollywood-Star Robin Williams sind häufig ein Garant für Höchstpreise.

Zudem hinterlassen außergewöhnliche Werke ihre Spuren oft auch in Museen und Ausstellungskatalogen. Aufgrund ihrer unabhängigen und fachlichen Expertise kommt den öffentlichen Institutionen eine besondere Deutungshoheit darüber zu, welche Künstler und Werke bedeutend genug sind, um in ihren ehrwürdigen Hallen präsentiert zu werden. Mit der Ausstellung in einem namhaften Museum, wird ein Kunstwerk förmlich geadelt und steigt dessen Wert.

Ausstellung mit Arbeiten von Piet Mondrian. Foto: Ernest Ojeh auf Unsplash,

8. Zustand

Für den Wert eines Kunstwerkes ist auch dessen Zustand von Bedeutung. Sammler bevorzugen Objekte, die sich in einem einwandfreien Zustand befinden. Beschädigungen und unsachgemäße Restaurierungen, die die ursprüngliche Integrität des Werkes verändern, führen oft zu einer deutlichen Wertminderung, wohingegen sich ein besonders guter Zustand u.U. wertsteigernd auswirken kann.

9. Seltenheit

Ein weiterer Faktor, der den Wert von Kunstwerken beeinflusst, ist deren Seltenheit. Hat ein bekannter Künstler während seiner Karriere nur wenige Kunstwerke produziert, werden diese häufig teurer gehandelt, als jene von Künstlern, deren Arbeiten sich regelmäßig am Markt finden. Mitunter verknappen zeitgenössische Künstler und Galerien auch das Angebot künstlich. Wer ein Kunstwerk erwerben möchte, wird zunächst auf eine Warteliste gesetzt. Begrenzte Verfügbarkeit rechtfertigt damit oftmals nicht nur einen höheren Preis, sie suggeriert zudem auch einen exklusiven Club an Besitzern.

10. Marktsituation

Wie andere Märkte, so unterliegt auch der Kunstmarkt gewissen Schwankungen und verändert sich die Nachfrage nach Künstlern und deren Werken stetig. Dabei spielt nicht nur die aktuelle wirtschaftliche Situation und die damit verbunden Attraktivität alternativer Investments eine entscheidende Rolle, sondern ebenso gesellschaftliche und kulturelle Aspekte. Auch die Interessen und Vorlieben von Kunstsammlern ändern sich im Laufe der Zeit, sodass neue Schwerpunkte für die Sammlung gesetzt werden.

Junge Talente, deren Arbeiten vor wenigen Jahren noch heiß begehrt waren und regelmäßig Rekordpreise erzielten, spielen heut mitunter nur mehr eine Nebenrolle. Stiegen die Preise für die Werke Künstler wie Hugh Scott-Douglas (geb. 1988) oder Lucien Smith (geb. 1989) während des Auktionsbooms 2014 noch in die Höhe und wechselten für teilweise weit über 250.000 USD den Besitzer, so werden sie inzwischen nur mehr für einen Bruchteil gehandelt. Die Arbeiten junger Stars der Szene, wie Dana Schutz (geb. 1976), Nicolas Party (geb. 1980) oder Amoako Boafo (geb. 1984), erzielen hingegen derzeit Millionenbeträge und stellen damit selbst Blue-Chip Künstler wie Richter, Picasso oder Calder in den Schatten.

Fazit

Wie eingangs bereits erwähnt, wird der Marktwert eines Bildes von zahlreichen Faktoren beeinflusst und stellt immer eine individuelle Momentaufnahme dar. Einzeln betrachtet sind diese Faktoren nicht zwangsläufig ein Garant für einen hohen Marktwert. Vielmehr ist es das Zusammentreffen mehrerer Einflüsse, das zu einer hohen Bewertung führt.

Während Echtheitsbestätigungen und eine gut dokumentierte Provenienz für die Vermarktung hochwertiger Kunstobjekte essenziell sind und einen Verkauf häufig überhaupt erst ermöglichen, so können andere Faktoren wie Qualität, Zustand oder die Auktionshistorie zur Steigerung aber auch Senkung des Marktwertes beitragen. Für eine möglichst realistische Schätzung des Marktpreises ist es daher wichtig, sich intensiv mit dem Werk, seiner Geschichte, dem Oeuvre des Künstlers sowie dem aktuellen Marktgeschehen auseinander zu setzen.

Sie möchten ein Kunstwerk verkaufen?

Sollten Sie den Verkauf Ihrer Kunstwerke beabsichtigen, so kommt auch der Wahl eines geeigneten Vermittlers, d.h. des Auktionshauses, der Galerie oder des Beraters, eine entscheidende Rolle zu. Gerade im oberen Marktsegment gibt es weltweit oft nur sehr wenige Sammler, die für einen Kauf in Frage kommen. Dem falschen Vermittler anvertraut, zieht sich der Verkauf nicht nur unnötig in die Länge, sondern verliert Ihr Kunstwerk u.U. auch die Marktfrische sowie deutlich an Wert. Andererseits ist der richtige Experten häufig sogar in der Lage, ein höheres Verkaufsergebnis zu erzielen. Daher ist die Wahl des richtigen Ansprechpartners beim Verkauf entscheidend.

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Quellen und weiterführende Literatur
Boll, D. (2011): Kunst ist käuflich. Freie Sicht auf den Kunstmarkt. Hantje Cantz, Ostfildern.
Findlay, M. (2012): Vom Wert der Kunst. Ein Insider erzählt. Prestel Verlag, München.
Thornton, S. (2013): Sieben Tage in der Kunstwelt. Fischer Taschen Verlag, Frankfurt am Main.
Hausmann, A. (2014): Handbuch Kunstmarkt. Akteure, Management und Vermittlung. transcript Verlag, Bielefeld.
Völcker, W. (2011): Was kostet Kunst? Ein Handbuch für Sammler, Galeristen, Händler  und Künstler. Hantje Cantz Verlag, Ostfildern.

Bambic, A. (2017): The Value of Art – What Determines an Artwork’s Worth? widewalls.ch
Barham, R. (2015): What is it Worth? A Guide to Art Valuation and Market Resources. jstor.org
Fraiberger, S. P. et al. (2018): Quantifying reputation and success in art. sciencemag.org
Herweig, M. (2009): Ein Drittel der zeitgenössischen Kunstwerke wird nie wieder die Preise von 2008 erzielen. sueddeutsche.de
Kazakina, K. (2016): That $100,000 Painting Bought to Flip Is Now Worth About $20,000. bloomberg.com
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