Zeichnung Gustav Klimt mit Signatur

Haben Sie vielleicht ein altes Gemälde geerbt oder eine Zeichnung auf dem Flohmarkt entdeckt, die Sie fasziniert und über die Sie mehr erfahren möchten? Befindet sich ein Bild in Ihrem Besitz, bei dem Sie nicht sicher sind, von welchem Künstler bzw. welcher Künstlerin es stammt? Dieser Beitragt bietet Ihnen eine kleine Anleitung, wie Sie mehr über die Signatur oder das Monogramm auf Ihrem Bild herausfinden und so den Künstler bestimmen können.

Jeder kennt sie, die Geschichten vom Flohmarkt- oder Dachbodenfund, der sich bei genauerer Betrachtung als Meisterwerk entpuppt und dann für Millionen in London, New York oder Paris verkauft wird. Tatsächlich kommt es aber extrem selten vor, dass solche Entdeckungen gemacht werden und anschließend für Rekordsummen den Besitzer wechseln, aber es gibt sie.

Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, ist der Name des Künstlers einer der wichtigsten Faktoren, wenn es darum geht, den Wert eines Kunstwerkes zu bestimmen. Zu wissen, von wem ein Bild stammt, entscheidet darüber, ob der Dachbodenfund nur einige hundert Euro Wert ist oder womöglich mehrere hunderttausend. Entsprechend wichtig ist es, vorhandene Signaturen oder Monogramme zu erkennen und diese richtig zuzuordnen.

Signatur oder Monogramm?

Ein Künstlermonogramm besteht zumeist aus ein bis drei Buchstaben, die die Anfangsbuchstaben bzw. Initialen von Vor- und Nachnamen des Künstlers bilden, z.B. „RD“ für Robert Delaunay (1885 – 1941) oder „ELK“ und „K“ für Ernst Ludwig Kirchner (1880 – 1938).

Monogramme von Ernst Ludwig Kirchner
Monogramme von Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) in: Franz Goldstein (1998): Internationales Verzeichnis der Monogramme bildender Künstler seit 1850

Die Künstlersignatur hingegen ist die Namensunterschrift oder das Künstlerzeichen. Mitunter ist dieses auch mit einer Datierung verbunden, d.h. der Jahreszahl, in dem das Bild entstand. Egon Schiele (1890 – 1918) beispielsweise hat schon früh damit begonnen, seine Kunstwerke zu signieren. Nicht nur auf seinen Gemälden, auch auf vielen seiner Zeichnungen findet sich seine charakteristische Signatur in Verbindung mit einer Jahreszahl. Durch die genaue Analyse und zeitliche Einordnung der Signaturen ist es Experten häufig auch möglich, die Echtheit eines Bildes zu festzustellen.

Verzeichnisse mit Künstlersignaturen

Wie erfahren Sie nun mehr über den Maler und die Signatur auf Ihrem Bild? Haben Sie evtl. bereits eine Vermutung, von wem das Bild stammen könnte oder konnten zumindest einige Buchstaben identifizieren? Dann gilt es als nächstes nach vergleichbaren Signaturen zu recherchieren und so den Urheber des Werkes zu bestimmen. Einen ersten Anlaufpunkt dazu bieten spezielle Verzeichnisse mit Künstlersignaturen. Hier gibt es sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Angebote, in denen Sie nach Bildunterschriften, Monogrammen oder Künstlerstempeln suchen können, z.B.:

Ovalsignatur von Gustav Klimt (1862 – 1918)

Bücher mit Künstlersignaturen und Monogrammen

Die Verzeichnisse mit Künstlersignaturen im Internet sind vergleichsweise jung. Ein anderer, traditionellerer Weg zur Recherche sind spezielle Bücher mit Künstlerbiographien. Darin enthalten sind meist auch Abbildungen der jeweiligen Signaturen und Monogramme. Auf der Webseite des Getty Research Institute finden Sie eine Liste mit wichtigen Büchern, die auch Kunsthistoriker:innen und Gutachter:innen bei Ihrer Arbeit verwenden: Getty Research Institute

Eines der umfangreichsten Werke ist das 14-teilige Künstlerlexikon des Kunsthändlers Emmanuel Benezit, dessen erster Band im Jahr 1911 erschien. Gemeinsam umfassen die 14 Bände circa 149.000 Künstlerbiographien sowie Informationen zu Signaturen, Monogrammen uvm. Einzelne dieser 14 Bände können kostenfrei im Internet aufgerufen werden. Nähere Informationen zum Lexikon sowie die entsprechenden Links zu den kostenlosen Bänden, finden Sie hier: Bénézit Künstlerlexikon

Ein weiteres bedeutendes Werk ist das „Internationale Verzeichnis der Monogramme bildender Künstler seit 1850“ von Franz Goldstein. Auch dieses können Sie kostenfrei im Internet herunterladen: JSTOR.org

Tipp: Zahlreiche Museen wie z.B. das Städel Museum in Frankfurt am Main oder die Albertina in Wien verfügen über umfangreiche Bibliotheksbestände, in denen Sie sich viele dieser Bücher und Kataloge zu Recherchezwecken ausleihen können.

Webseiten mit Auktionsdaten

Eine weitere Möglichkeit, um den Urheber Ihres Werkes zu bestimmen, ist die Recherche in Datenbanken mit Auktionsergebnissen. Webseiten wie invaluable.com oder artprice.com listen historische Auktionsergebnisse von über 500.000 Künstlerinnen und Künstlern weltweit. Wenn Sie eine Vermutung haben, von wem Ihr Bild stammen könnte, oder zumindest die ersten drei bis vier Buchstaben des Namens wissen, dann kann die Suche in diesen Datenbanken mitunter schnell zum Erfolg führen. Sie finden darin nämlich nicht nur historische Auktionsergebnisse, sondern auch Abbildungen von hunderttauschenden Zeichnungen und Gemälden. Über die Suche nach dem Künstlernahmen können Sie die Ergebnisse eingrenzen und anschließend Signaturen aber auch den Stil, die Technik und das Format der Werke miteinander vergleichen.

Screenshot: www.artprice.com

Google Bildersuche verwenden

Noch ein allgemeiner Tipp zur Recherche. Mitunter ist es auch hilfreich, die Bildersuche von Google zu verwenden und Google nach ähnlichen Motiven suchen zu lassen. Auf https://images.google.com können Sie dazu einfach ein Foto Ihres Bildes hochladen. Anschließend sucht Google, ob das Motiv bereits auf anderen Seiten im Internet zu finden ist. Nicht selten wird dann klar, dass es sich bei dem vermeintlichen Meisterwerk vom Flohmarkt lediglich um eine Kunstkopie handelt.

Screenshot: Google Image Search

Abschließend sei eines jedoch noch erwähnt. Trotz umfangreicher Recherchen ist es nicht immer möglich, den Urheber eines Werkes zweifelsfrei zu bestimmen. Viele Künstlerinnen und Künstler waren zu Lebzeiten nur regional aktiv oder haben sich nur im Privaten mit Kunst befasst. Entsprechend wurden ihre Arbeiten weder in Galerien noch in Museen gezeigt und gibt es kaum Aufzeichnungen zu ihrem Werk. In diesen Fällen haben Sie ein schönes Bild von einem unbekannten Maler bzw. einer unbekannten Malerin. Dieser Umstand sagt jedoch nichts über die Qualität oder den Wert der Arbeiten aus.

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Titelbild: Reclining Nude Lying on Her Stomach and Facing Right (1910) via Wikimedia Commons, Public Domain Licencse

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