Gemälde schätzen lassen

Es gibt zahlreiche Gründe, ein Gemälde schätzen und so dessen Qualität und Marktwert bestimmen zu lassen, sei es im Rahmen einer Erbschaft, zur Aktualisierung einer Versicherungspolice oder in Vorbereitung  der Leihgaben an ein Museum. Der häufigste Grund für die Schätzung von Kunstwerken ist jedoch ein bevorstehender Verkauf.

Wer kennt sie nicht, die Geschichten vom Dachbodenfund, der später für einen Rekordpreis verkauft wurde. Erst 2014 entdeckte man auf dem Dachboden einer alten Villa in Toulouse ein historisches Gemälde. Nach wissenschaftlicher Untersuchung stellte sich heraus, dass es sich bei diesem zunächst unscheinbaren Werk um eine lang verschollene Arbeit von Caravaggio handelte, deren Wert die Experten auf 100 bis 150 Millionen Euro schätzten und das 2019 diskret, im Rahmen eines Private Sales, verkauft wurde.

Doch wie kann man feststellen lassen, welchen Wert ein Kunstwerk hat? An wen können Sie sich wenden, wenn Sie ein Gemälde schätzen möchten? Was kostet die Schätzung und welche Informationen werden dafür von Ihnen benötigt? Auf diese und weitere Fragen gehen wir im Folgenden näher ein.

Agenda

  1. Welche Faktoren bestimmen den Wert eines Gemäldes?
  2. Wo können Sie Kunstwerke schätzen lassen?
  3. Welche Möglichkeiten zur Schätzung haben Sie?
  4. Welche Informationen werden für die Schätzung benötigt?
  5. Besonderheiten bei der Schätzung von Kunstsammlungen
  6. Haften die Experten für Fehleinschätzungen?
  7. Wie lange dauert es, ein Kunstwerk zu schätzen?
  8. Kann man Kunstwerk kostenlos schätzen zu lassen?
  9. Was gibt es im Verkaufsfall zu beachten?
  10. Adressen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Was ist eine Schätzung? Die Schätzung von Gemälden ist ein komplexer Prozess, bei dem versucht wird, eine möglichst genaue Prognose, für den aktuell am Markt zu erzielenden Verkaufspreis, zu treffen. In aller Regel orientiert sich diese Prognose an historischen Vergleichspreisen, berücksichtigt aber auch weitere Faktoren, wie die aktuelle Wirtschaftslage oder Trends im Kunstmarkt, mit ein. Zumeist wird die Schätzung in Form einer Preisspanne, mit einem oberen und einem unteren Schätzpreis, angegeben.

Welche Faktoren bestimmen den Wert eines Gemäldes?

Anders als beispielswiese beim Autohandel, gibt es im Kunstmarkt keine allgemeingültigen Listen zur Ermittlung des aktuellen Marktwertes. Stattdessen gilt es für Kunstwerke eine Reihe von Faktoren heranzuziehen, anhand derer eine Wertbestimmung erfolgen kann. Zu den wichtigsten Kriterien, um ein Gemälde schätzen zu können, zählen:

  • Künstler,
  • Motiv und Datierung des Werkes,
  • Technik und Maße,
  • Provenienz und Ausstellungsgeschichte,
  • der Zustand des Kunstwerkes sowie
  • die aktuelle Angebots- und Nachfragesituation.

Anhand dieser Informationen können die Experten i.d.R. eine Bewertung vornehmen und den derzeit am Markt erzielbaren Verkaufspreis ermitteln. Eine Übersicht, welche 10 Faktoren den Preis von Kunstwerken beeinflussen, finden Sie hier.

Wo können Sie Kunstwerke schätzen lassen?

Es gibt zahlreiche Akteure im Kunstmarkt, bei denen Sie ihre Bilder und Gemälde schätzen lassen können – von Kunsthändlern und Auktionshäusern über Gutachter und unabhängige Kunstberater bis hin zu spezielle Internetplattformen. Interessenverbände, wie beispielsweise der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler e.V. (www.bvdg.de), helfen Ihnen gern weiter und unterstützen Sie bei der Suche nach geeigneten Ansprechpartnern. Am Ende dieses Beitrages finden Sie ebenso eine Liste mit Adressen und Ansprechpartnern.

Welche Möglichkeiten zur Schätzung haben Sie?

  • Persönliche Vorlage und Hinterlegung
    Um den Wert eines Gemäldes ermitteln zu lassen, bringt man es üblicherweise direkt zum jeweiligen Anbieter. Dieser untersucht das Kunstwerk, recherchiert ggf. in Katalogen und Werkverzeichnissen und erstellt Ihnen anschließend eine entsprechende Schätzung. Es empfiehlt sich in jedem Falle, vorab einen Termin auszumachen, an dem Sie Ihr Kunstwerk vorbei bringen.
  • Expertensprechstunde aufsuchen
    Einige Unternehmen bieten auch spezielle Expertensprechstunden, an denen Sie Ihr Kunstwerk direkt den Spezialisten vorlegen können. In der Regel meldet man sich im Vorfeld zur Sprechstunde an und übermittelt dabei bereits die ersten Informationen zum Kunstwerk. Während Ihres Termins untersucht der Experte Ihr Werk genauer und Sie erhalten üblicherweise umgehend eine Taxe für Ihr Gemälde.
  • Online Schätzung
    Zudem besteht bei vielen Anbietern die Möglichkeit, dass Sie die Daten zu Ihrem Kunstwerk rein elektronisch übermitteln und so den Prozess der Schätzung deutlich vereinfachen. Die Möglichkeit, Gemälde online bewerten zu lassen, hat in den vergangen Jahren deutlich an Akzeptanz gewonnen. Immer mehr Sammler nutzen diesen Weg, um schnell und bequem eine Wertindikation für das eigene Bild zu erhalten.

Welche Informationen werden für die Schätzung benötigt?

Gerade bei online Schätzungen ist es wichtig, so viele Inforationen anzugeben wie möglich. Je mehr über das Kunstwerk bekannt ist, umso genau kann eine Bestimmung des Marktwertes erfolgen. Zu den wichtigsten Angaben zählen:

  • Name des Künstlers
  • Datierung des Werkes
  • Technik soweit bekannt
  • Maße des Gemäldes (gerahmt und ungerahmt)
  • Foto der Vor- und Rückseite des Gemäldes

Anhand dieser Informationen kann bereits eine erste Wertermittlung stattfinden. Es gibt jedoch noch weitere Informationen, die bei der Schätzung von Gemälden behilflich sind und diese ebenfalls beeinflussen können:

  • Fotos von Signatur, Datierung sowie etwaigen Aufklebern oder Notizen auf der Rückseite
  • Fotos von möglichen Beschädigungen
  • Angaben zu Vorbesitzern des Kunstwerkes
  • Angaben zu Echtheitszertifikat, Werkverzeichnis oder Ausstellungskatalogen

Besonderheiten bei der Schätzung von Kunstsammlungen

Jede Kunstsammlung erzählt ihre eigene, individuelle Entstehungsgeschichte. So einzigartig wie diese Geschichte ist häufig auch die Herangehensweise bei der Schätzung. Zunächst einmal gilt es den Bestand zu sichten und zu dokumentieren. Damit soll unter anderem geklärt werden, welche Werke die Sammlung umfasst, wo sich diese befinden und welche Unterlagen zu den einzelnen Werken vorliegen. Nach dieser ersten Bestandsaufnahme muss entschieden werden, ob Teile der Sammlung von unterschiedlichen Spezialisten geschätzt werden sollen oder ein Anbieter die komplette Schätzung übernimmt.

Im Gegensatz zur Schätzung einzelner Werke, führt bei der Bewertung von Kunstsammlungen kaum ein Weg am persönlichen Kontakt mit den Experten vorbei. Gerade bei umfangreichen Sammlungen ist es üblich, dass der Experte zu Ihnen kommt, die Kunstwerke persönlich sichtet und die nötigen Daten Vorort aufnimmt. Basierend darauf können dann Recherchen erstellt und die entsprechenden Schätzdossiers erarbeitet werden.

Haften die Experten für Fehleinschätzungen?

Wie zuvor erwähnt, ist der zu erzielende Marktpreis von einer Reihe von Faktoren abhängig, die nur teilweise direkt mit Ihrem Kunstwerk in Verbindung stehen. Der Begriff „Schätzung“ lässt bereits erkennen, dass es sich lediglich um eine fundierte Vermutung bzw. eine Prognose des erzielbaren Marktpreises handelt, die auf einer Reihe von Annahmen beruht wird. Da keine fest objektiven Regeln für die Ermittlung des Verkehrswertes eines Kunstwerkes existieren, ist die Schätzung naturgemäß eine Ermessensfrage. Zwar wird diese nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, kommt jedoch keiner Expertise oder Garantie gleich und hat somit keinerlei juristischen Wert. Auch beim gerichtlich bestellten Gutachter erfolgt eine Haftung i.d.R. nur dann, wenn dieser grob fahrlässig oder oder vorsätzlich gehandelt hat.

Wir haben die Ergebnisse mehrere Kunstauktionen in Deutschland und Österreich analysiert und dabei untersucht, wie das Verhältnis zwischen Schätzung und Zuschlag in der Praxis aussieht. Tatsächlich wurde nur etwa jedes Dritte Los (35,6%) innerhalb seiner Schätzung zugeschlagen. 24,7% konnten ihren geschätzten Marktwert übertreffen, wohingegen 39,7% der versteigerten Kunstwerke unterhalb ihres Schätzpreises zugeschlagen wurden oder gar durch die Auktion fielen.

Wie lange dauert es, ein Kunstwerk zu schätzen?

Wieviel Zeit es braucht, ein Gemälde schätzen zu lassen, ist tatsächlich von Anbieter zu Anbieter verschieden und hängt insbesondere von den zur Verfügung gestellten Informationen sowie dem Umfang der notwendigen Recherchen ab. Im Idealfall erhalten Sie die Schätzung für Ihr Kunstwerk innerhalb weniger Stunden. Teils kann es aber auch mehrere Wochen dauern, bis die Experten eine fundierte Aussage zum aktuellen Marktwert ihres Kunstwerkes treffen können.

Kann man Kunstwerke kostenlos schätzen lassen?

Ja, es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um Ihr Gemälde kostenlos schätzen zu lassen. Die Weisheit „Wenn es Dich nichts kostet, bist Du das Produkt“ trifft jedoch häufig auch im Kunstmarkt zu. Für viele Anbieter stellen kostenlose Schätzungen die mit Abstand wichtigste Maßnahme zur Akquise neuer Kunstwerke dar. Daher kommt es mitunter vor, dass die Schätzungen eher Phantasiepreisen entsprechen, welche später nachverhandelt oder mit einem deutlich niedrigeren Limit versehen werden.

Kunstsachverständige, Gutachter und einige Internetplattformen bieten hingegen unabhängige, meist jedoch kostenpflichtige Schätzungen an. Die Preise dafür bewegen sich in der Regel zwischen €30 und €300 pro Werk, können aber bei teuren Objekten und sehr aufwendigen Recherchen auch deutlich davon abweichen.

Was gibt es im Verkaufsfall zu beachten?

Sollten Sie jedoch einen Verkauf anstreben, bedenken Sie, dass nicht alle Anbieter über die gleiche Marktkenntnis, Erfahrung und vor allem das nötige Netzwerk verfügen, um Ihr Gemälde bestmöglich zu veräußern. Während einige Anbieter das Kunstwerk womöglich zu niedrig schätzen und Ihnen dadurch ein besseres Verkaufsergebnis entgeht, kann eine zu hohe Taxe dazu führen, dass Ihr Werk womöglich keinen Käufer findet und deutlich an Wert verliert. Wie weit die Ergebnisse der Schätzungen zum Teil auseinandergehen, zeigt unsere Recherche:

Wir haben vier etablierte Galerien und Auktionshäuser aus (2x Deutschland, 1x Österreich und 1x England) gebeten, ein frühes Aquarell von Erich Heckel zu taxieren. Heckel zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Expressionismus, dessen Werke schon häufig Rekordpreise erzielten. Alle vier Anbieter handeln regelmäßig mit vergleichbaren Arbeiten des Künstlers und verfügen über eine umfassende Marktkenntnis. Alle vier erhielten exakt die gleichen Informationen, um die Schätzung vorzunehmen. Dennoch unterscheiden sich ihre Bewertungen deutlich. Während Anbieter 1 das Werk auf €14.000 bis €18.000 schätzt, prognostiziert Anbieter 4 ein mögliches Verkaufsergebnis von €60.000 bis €80.000.

Unsere Empfehlung ist daher, auf jeden Fall mehrere Schätzungen von Auktionshäusern und Galerien einzuholen. Bevor Sie eine Entscheidung treffen, sollten zudem die Chancen und Risiken der unterschiedlichen Verkaufsoptionen (Auktion, Direktverkauf, Private Sale, Kommission) sorgsam abgewogen werden. Erfahrungsgemäß lohnt es sich häufig, einen Spezialisten mit dem Verkauf zu beauftragen, der regelmäßig mit Werken des Künstlers handelt und enge Kontakte zu den nötigen Sammlungen pflegt.

Adressen und Ansprechpartner in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Abschließend haben wir noch einige Adressen von Galerien und Auktionshäusern für Sie zusammengestellt, bei denen Sie nicht nur Ihre Gemälde schätzen lassen können, sondern ebenso Skulpturen, Zeichnungen oder Fotografie.

Arnoldi Liviehttps://www.arnoldi-livie.de/
Christie’shttps://www.christies.com/
Dorotheumhttps://www.dorotheum.com/
Galerie Michael Haashttps://gallerymichaelhaas.com/
Galerie Utermannhttps://galerieutermann.de/
Galerie Welzhttps://www.galerie-welz.at/
Galerie Wienerroither & Kohlbacherhttps://www.w-k.art/
Gloggner Auktionenhttps://www.gloggnerauktionen.ch
Grisebachhttps://www.grisebach.com/
Henze Kettererhttp://www.henze-ketterer.ch/
Im Kinskyhttps://imkinsky.com/de
Ketterer Kunsthttps://www.kettererkunst.de/
Koller Auktionenhttps://www.kollerauktionen.ch/de/home.htm
Patrick Kovacshttps://www.patrick-kovacs.at/
Schuler Auktionenhttps://www.schulerauktionen.ch/de/
Sotheby’shttps://www.sothebys.com/
Van Hamhttps://www.van-ham.com/
Von Brühlhttps://vonbruehl.com/

Quellen
https://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article196301381/Auktion-abgesagt-Milliardaer-erwirbt-Caravaggio.html
https://news.artnet.com/market/60-million-jean-michel-basquiat-sothebys-929840

Foto: Ricardo Arce via Unsplash

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