Titelbild Kubismus

Kubismus ist eine der revolutionärsten Kunstbewegung der Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts, die sich von den Methoden der traditionellen Malerei distanzierte und neue Ansätze zur Darstellung der Wirklichkeit entwickelte. Seine Entstehung geht maßgeblich auf die gemeinsame Arbeit von Pablo Picasso und Georges Braque zurück, die die Entwicklung des Stils vorantreiben und damit nicht nur die europäische Malerei und Bildhauerei revolutionierten, sondern auch andere Kunstgattungen wie Musik, Literatur und Architektur inspirierten.

Inhalt des Beitrages

Entstehung des Kubismus

Die Entwicklung des Kubismus vollzieht sich in zwei wesentlichen Etappen. Die Phase des analytischen Kubismus zwischen 1907 und 1912, die durch die Zusammenarbeit von Pablo Picasso und Georges Braque geprägt ist. Sowie die zweite Phase des synthetischen Kubismus, zu dessen Weiterentwicklung insbesondere Künstler wie Fernand Legér, Juan Gris, Sonja Delaunay oder Marcel Duchamp beitrugen.

Als Schlüsselwerk und erstes Zeugnis des Kubismus gilt heut Picassos Gemälde Demoiselles d’Avignon von 1907. Die zerbrochenen Formen und Einflüsse afrikanischer Kunst deuten auf den radikalen Wandel in Picassos Malerei hin. Als Georges Braque das Werk kurz nach dessen Entstehung in Picassos Atelier sah, war seine erste Reaktion zunächst negativ, bricht es doch inhaltlich wie stilistisch radikal mit der traditionellen Malerei. Braque, sowie viele seiner Zeitgenossen, sind von der Malweise und dem Motiv, einer Gruppe von Damen in einem Bordell der Calle Avinyó in Barcelona, schockiert. Gleichzeitig jedoch zeigt sich Braque fasziniert vom radikalen Stilwechsel Picassos, der in seinem Werk selbstbewusst mit althergebrachten Konventionen der Malerei bricht.

Paul Cezanne, Montagne Sainte-Victoire und Château Noir (1904-06) (Foto: The Yorck Project via Wikimedia Commons)

Ab 1908 arbeiten Picassos und Braques gemeinsam und entwickeln den neuen Stil maßgeblich weiter. Gemeinsam experimentieren und erforschen sie die Funktionsweise und Prozesse, mit der Auge und Gehirn Bilder aufnehmen und diese verarbeiten. Dabei analysierten und hinterfragten sie in ihren Arbeiten kontinuierlich auch gesellschaftliche und künstlerische Konventionen. Ihre Darstellungen werden in dieser Zeit geometrischer und entfernen sich zunehmend von der Realität, was mit einem Verzicht auf Farbigkeit zugunsten monochromer Schwarz-, Grau-, Beige- und Ockertöne einhergeht.

Geprägt wurde der Begriff „Kubismus“ im Jahr 1908, durch eine Bemerkung des Kunstkritikers Louis Vauxcelles, der in Paris Georges Braques Gemälde des Fischerdorfs L’Estaque sah, in dem der Künstler Landschaften und Objekte auf „geometrischen Formen und Kuben“ reduzierte. Die Gebäude und Formen der Bäume sowie das beschränkte Farbschema erinnern an die späten Landschaften von Paul Cézanne. Jenes post-impressionistische Spätwerk Cézannes, das von einem flachen und nahezu abstrakten Stil gekennzeichnet ist, beeinflusste Braque und Picasso in Phase des analytischen Kubismus stark. Die Künstler nutzen verschiedene Betrachtungsperspektiven von Figuren und gewöhnlichen Gegenständen und bringen diese mit analytischer Genauigkeit auf der Bildfläche zusammen, wodurch ihre Gemälde fragmentiert und abstrahiert wirkten. Zudem finden sich in Picassos Portraits jener Zeit, wie weiter oben kurz erwähnt, deutliche Einflüsse afrikanischer Kunst, erinnern die Gesichter doch häufig an Stammesmasken und ist die verwendete Farbpalette zumeist auf natürliche Erdtöne begrenzt.

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Picasso, Braque & Cie – Die kubistische Revolution via Youtube

Ab 1912 kommt es zu einer Weiterentwicklung in Form des synthetischen Kubismus, der zu jener Zeit noch immer von einem breiten Teil der Öffentlichkeit abgelehnt wird. Nachdem Braque und Picasso die Realität zuvor in monochrome, scharfwinklige Formen aufgespalteten, befassten sich auch Maler wie der Spanier Juan Gris oder Franzose Fernand Legér zunehmen mit dem revolutionären neuen Stil und gaben der Entwicklung des Kubismus eigene Impulse. Gleichzeitig entwickelten Picasso und Braque neue Collagetechniken, bei denen sie reale Elemente aus Zeitschriften mit Malerei und Zeichnung kombinierten uns so Fragen aufwerfen, was Realität und was Illusion ist. Zudem schaffen sie eine neue Bildsprache, die auch die Arbeit von Künstlern wie Fernand Léger, Juan Gris, Robert und Sonia Delaunay und Marcel Duchamp inspiriert. Die Farbe nimmt in den Werken des synthetischen Kubismus eine starke Rolle ein, Facetten werden reduziert, Formen werden größer und dekorativer. Die Synthese aus Form und Bild ist für die Spätphase des Kubismus prägend und verleiht ihr ihre spätere Bezeichnung.

Georges Braque, Stillleben mit Glas und Zeitung (Le gueridon) (1913) (Foto: Museum Berggruen via Richard Mortel via Wikimedia Commons)

Welche Einflüsse gingen vom Kubismus aus?

Heut zählt der Kubismus zu den wichtigsten Kunstbewegungen, dessen Entwicklung einen bedeutenden Einfluss auf die bildende Kunst des 20. Jahrhunderts nahm. Im Gegensatz zur breiten Öffentlichkeit zeigte die künstlerische Avantgarde schon früh großes Interesse am Kubismus. So reisten 1912 mit Franz Mark, Paul Klee und August Macke auch wichtige Wegbereiter des deutschen Expressionismus nach Paris und waren von den Arbeiten Delaunays begeistert. Ab Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 beginnt sich Bewegung langsam aufzulösen. Die Schrecken und Erfahrungen des ersten Weltkriegs führten dazu, dass wichtige Vertreter wie Legér und Braque ihren Stil dramatisch änderten und neue Wege mit ihrer Malerei verfolgten, was die Entwicklung neuer Stilrichtungen wie des Futurismus oder Orphismus begünstigt. Auch spätere Entwicklungen wie Surrealismus, Dada und Pop-Art greifen auf Konzepte des Kubismus zurück.

Robert Delaunay, La ville de Paris (1911) (Foto: Toledo Museum of Art via Google Art via Wikimedia Commons)

Die wichtigsten Künstler des Kubismus

  • Georges Braque (1882-1963)
  • Pablo Picasso (1881-1973)
  • Juan Gris (1887-1927)
  • Fernand Leger (1881-1955)
  • Jacques Lipchitz (1891-1973)
  • Marcel Duchamp (1887-1968)

Juan Gris, Stilleben mit Bordeuauxflasche (1919) (Foto: The Yorck Project via Wikimedia Commons)

Merkmale kubistischer Werke

Kunst und Malerei stellen für die Vertreter des Kubismus weit mehr dar, als die reine Darstellung und Kopie der Natur. Vielmehr schaffen die Kubisten mit ihrer Malerei eine Parallelwelt zur Realität. Charakteristisch für ihre Werke ist die Abkehr von der klassischen Perspektive, die in der Kunst seit den Zeiten der Renaissance zur Darstellung von Räumen und Gegenständen verwendet wurde. Indem sie Objekte und Figuren in verschiedene Formen und Flächen zerlegen, versuchen die Kubisten verschiedene Blickpunkte zu vereinen und eine dreidimensionale Form zu suggerieren. Mit geometrischen Formen wie Kegeln und Zylindern entdecken sie dabei die Natur neu. Anstatt jedoch die Illusion von Tiefe zu erzeugen, betonen sie gleichzeitig auch die zweidimensionale Flächigkeit. Vorder- und Hintergrund überblenden oft einander, wodurch nicht nur die Veränderung von Raum, Zeit und Bewegung auf der Bildfläche festgehalten wird, sondern auch die Grenzen zwischen Realität und Illusion verschwinden.

Diego Rivera, Young Man with a Fountain Pen (1914) (Foto: Museo Dolores Olmedo via Google Art Project und Wikipedia)

Markt für Werke des Kubismus

Aufgrund seiner vergleichsweise kurzen Wirkungsphase, seiner Radikalität und weitreichenden Bedeutung ist das Interesse an kubistischen Arbeiten von Picasso, Braque, Gris oder Leger auch heute ungebrochen. Ihre Werke werden regelmäßig öffentlich ausgestellt und finden sich in namhaften Sammlungen, wie dem Musee d’Orsay in Paris, dem Museum of Modern Art in New York, der Tate Modern in London oder auch der Hamburger Kunsthalle. 2018 zeigte das Pariser Centre Georges Pompidou mit der Ausstellung „Le Cubisme“ eine großartige Ausstellung mit mehr als 300 Werken und zahlreichen Leihgaben aus aller Welt. In chronologischer Reihenfolge zeigte die vielbeachtete Ausstellung Arbeiten von Pablo Picasso und George Braque, aber auch von Juan Gris, Robert Delaunay, Fernand Léger und Marcel Duchamp, wodurch die Bedeutung des Kubismus für die Entwicklung der Kunstmoderne erneut unterstrichen wurde.

Während Lithographien kubistischer Motive aus den Jahren 1907 bis 1914 vergleichsweise weit verbreitet und bereits für wenige Hundert Euro am Markt zu beziehen sind, zahlen Sammler für originale Gemälde und Papierarbeiten regelmäßig Rekordpreise. Gerade marktfrische Arbeiten sind selten und erzielen häufig Rekordpreise. Derzeit trifft am Markt eine gestiegene Nachfrage aus Asien und Amerika mit einer begrenzten Verfügbarkeit an erstklassigen Werken zusammen. In Folge haben sich die Preise für Spitzenwerke des Kubismus in den vergangenen Jahren stetig erhöht.

Den Rekord für ein kubistisches Gemälde markiert aktuell Contraste de formes von Fernand Leger, dessen 1913 entstandenes Werk 2017 in New York für über $70 Mio. inkl. Aufgeld den Besitzer wechselte. Damit löste es Picassos Portrait Femme assise von 1909 an der Spitze ab, das erst im Jahr zuvor für umgerechnet $63 Mio. in London verkauft wurde. Kubistische Gemälde und Mischtechniken von George Braque hingegen werden für weit weniger hohe Summen gehandelt. Den Rekord markiert hier Femme lisant von 1911, das bereits 1986 für $9 Mio. zuzüglich Aufgeld einen neuen Besitzer fand.

Trotz dieser Rekorde ist klar, dass ein Großteil der Verkäufe kubistischer Arbeiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet und diskret über Private Sales oder spezialisierte Kunsthändler abgewickelt wird. Details zu konkreten Verkäufen treten daher nur selten nach außen. Gerade im Spitzensegment wird der Markt für kubistische Kunst von wenigen Galerien und Auktionshäusern bestimmt, die über persönliche Kontakte zu zahlungskräftigen Sammlern in Europa, Asien und Amerika verfügen. Im mittleren Marktsegment hingegen finden sich mehrere regionale und internationale Anbieter, die mit kubistischen Zeichnungen, Gouachen oder Collagen handeln. Das Spektrum reicht hier von ausgewiesenen Experten und Kennern des Oeuvres einzelner Künstler, bis hin zu Generalisten. Häufig sind die Spezialisten den Generalisten überlegen, verfügen sie doch nicht nur über eine umfassendere Marktkenntnis, sondern auch die Kontakte zu relevanten Sammlern und Verkäufern in aller Welt.

Quellen
Phillips, S. (2015): Moderne Kunst verstehen. Vom Impressionismus ins 21. Jahrhundert. Seemann Verlag, Leipzig.
Farthing, S. (2017): Kunst. Die ganze Geschichte. DuMont Buchverlag, Köln.

https://www.tate.org.uk/art/art-terms/c/cubism
https://www.britannica.com/art/Cubism
https://www.theartstory.org/movement/cubism/
https://www.metmuseum.org/toah/hd/cube/hd_cube.htm
https://mymodernmet.com/what-is-cubism-art/
https://manhattanarts.com/what-is-cubism/
https://www.artyfactory.com/art_appreciation/art_movements/cubism.htm

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